Der vergessene Attentäter Georg Elser: GK und Geschichte LK in Königsbronn
08. Oktober 2026
Bereits im Jahr 2022 initiierten wir in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Georg Elser in Königsbronn und dem Rotary Club Göppingen das Elser-Projekt. 2022 und 2024 entstand dabei unter anderem eine interaktive Website für den Einsatz im Unterricht (www.alleinfuerdiefreiheit.de), die auf eine Inszenierung der Verhörprotokolle Elsers vorbereitete.
2026 entwickeln wir, Frau Bonnet und Herr Dis, das Projekt nun weiter. Dazu machten sich die Leistungsfächer Gemeinschaftskunde und Geschichte der J2 am Donnerstag, den 08.10.2026, auf den Weg nach Königsbronn.
Dort erwartete uns ein begeisternder Vortrag von Josef Seibold, der uns eindrücklich vor Augen führte, wie Hitler innerhalb von nur 53 Tagen die Demokratie in Deutschland abschaffte. Bereits rund 30 Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler wurden die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Weimarer Reichsverfassung – vergleichbar mit zentralen Grundrechten in Art. 1–19 unseres heutigen Grundgesetzes – außer Kraft gesetzt. Damit wurden wichtige persönliche Freiheiten sowie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt und zugleich die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Wahlkampf zugunsten der NSDAP zu beeinflussen. Das Ermächtigungsgesetz schaffte schließlich – begleitet von Änderungen der Geschäftsordnung des Reichstags und unter massivem Druck auf die Abgeordneten – die parlamentarische Demokratie de facto ab.
Besonders beeindruckend – und zugleich beunruhigend – waren die aktuellen Bezüge, die Josef Seibold herstellte: von Trumps eigenem sozialen Netzwerk Truth Social und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda über die damalige Hilfspolizei und heutige ICE-Agents bis hin zur Frage nach dem Umgang konservativer Parteien mit der politischen Rechten mit Blick auf Sachsen-Anhalt. Die von ihm aufgezeigten Parallelen waren ebenso eindrücklich wie beängstigend. Nicht umsonst kam Josef Seibold am Ende seines Vortrags zu einem drastischen Fazit: „Wir sind heute in der gleichen Sch*** wie 1933.“
Die anschließende Führung durch die Gedenkstätte in Königsbronn mit Engelbert Frey zeichnete Georg Elsers Weg vom Entschluss zum Attentat bis zu seiner Ermordung nach. Dabei erfuhren wir, wie früh Elser die Gefahr des Nationalsozialismus erkannte und über Monate hinweg sein Attentat im Münchner Bürgerbräukeller akribisch plante und vorbereitete. Besonders eindrücklich waren die vielen Details seiner Vorgehensweise – bis hin zum gezielten Abwarten auf die automatische Toilettenspülung, deren Geräusch er bei seinen nächtlichen Arbeiten nutzte, um den Lärm seiner eigenen Arbeit zu überdecken. Thematisiert wurde außerdem das Attentat vom 8. November 1939, das sein Ziel nur verfehlte, weil Hitler die Veranstaltung an diesem Abend – völlig untypisch – bereits 13 Minuten früher verlassen hatte. Noch am selben Abend wurde Elser an der Schweizer Grenze verhaftet, anschließend verhört und schließlich kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Dachau ermordet. Im Nachgang nutzten die Nationalsozialisten das Attentat, um ihre Propagandamaschinerie weiter anzutreiben: Sie stellten Elser nicht als allein handelnden Widerstandskämpfer dar, sondern konstruierten eine Verbindung zum britischen Geheimdienst und präsentierten den Anschlag als Teil einer ausländischen Verschwörung gegen das Deutsche Reich.
Zum Abschluss führte Daniela Beck von der Fachstelle für Extremismusdistanzierung (FEX) den Workshop „Radikal.Verstehen“ durch. Dabei beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen von Radikalisierungsprozessen und Extremismus und setzten sich damit auseinander, wie und warum sich Menschen radikalisieren können. Der ursprünglich für unseren Exkursionstag angedachte stärkere Bezug zu Georg Elser ließ sich im Rahmen des Workshops leider nur begrenzt herstellen, sodass der Schwerpunkt vor allem auf einer allgemeinen Betrachtung von Radikalisierungsprozessen lag.
Bedanken wollen wir uns vor allem bei Engelbert Frey und Joachim Seibold von der Gedenkstätte Georg Elser in Königsbronn und bei Stephan Vomhoff für die Unterstützung des Projekts.










