Ein Tag als Abgeordnete: Bundestagsplanspiel der J1
13. Februar 2026
Am Donnerstag, den 12.02.2026, verwandelte sich die J1 für einen Schultag in einen kleinen Deutschen Bundestag: Beim großen Bundestagsplanspiel übernahmen alle Schülerinnen und Schüler die Rolle von Abgeordneten und durchliefen innerhalb von sechseinhalb Stunden einen vollständigen Gesetzgebungsprozess – von der Fraktionssitzung bis zur Schlussabstimmung.
Im Zentrum des Planspiels stand ein hochaktueller und kontroverser Gesetzesentwurf zur Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres. Konkret sollte nach Artikel 12a ein neuer Artikel 12b ins Grundgesetz eingefügt werden, der vorsieht, dass Männer und Frauen nach Beendigung der Schulpflicht für eine begrenzte Zeit einen sozialen Dienst am Gemeinwohl leisten können – insbesondere in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Soziales oder vergleichbaren gemeinwohlorientierten Tätigkeiten. Gleichzeitig wurde festgeschrieben, dass Dauer, Ausgestaltung, soziale Absicherung, Vergütung sowie Ausnahmen durch ein Bundesgesetz geregelt werden und der soziale Dienst nicht zur dauerhaften Ersetzung regulärer Beschäftigung dienen darf.
Nach einer kurzen Einführung im Plenum, in der Ablauf, Rollen und Zielsetzung erläutert wurden, schlüpften alle Schülerinnen und Schüler in ihre Rollen als Abgeordnete. Die J1 konstituierte sich dabei als Parlament mit den fünf fiktiven Fraktionen BSV (Bürgerlich-Soziale Volksparte), SFP (Sozialdemokratische Fortschrittspartei), BNG (Bündnis für Nachhaltigkeit und Gesellschaft), LSB (Linke Solidaritätsbewegung) und PnV (Partei für nationale Verantwortung), die an die politischen Kräfteverhältnisse des realen Bundestags angelehnt waren. In der ersten Fraktionssitzung standen zunächst zentrale Personal- und Organisationsentscheidungen an: Die Fraktionen wählten ihre Vorsitzenden, teilten sich auf die Ausschüsse auf, legten ihre gemeinsame Position zum Gesetzentwurf fest und diskutierten Fragen der Fraktionsdisziplin. Zu Fraktionsvorsitzenden wurden der Abgeordnete Bizer (BSV), die Abgeordnete Zimenkova (SFP), der Abgeordnete Mundanjohl (PnV), die Abgeordnet Schweizer (BNG) und die Abgeordnete M. Biela (LSB) gewählt.
Die erste Plenardebatte wurde von Bundestagspräsidentin Nguyen geleitet. In dieser Sitzung wurden die Ausschüsse eingesetzt und der Gesetzentwurf offiziell an die Ausschüsse überwiesen. Anschließend begann die intensive Ausschussphase: Im federführenden Innenausschuss unter dem Vorsitz von Abgeordneter Wrobel sowie im Jugendausschuss (Vorsitz: Abgeordnete Alobed), im Ausschuss für Arbeit und Soziales (Vorsitz: Abgeordneter Mani) und im Bildungsausschuss (Vorsitz: Abgeordnete Ramerseder) verhandelten die Abgeordneten über Chancen, Risiken und konkrete Ausgestaltung eines verpflichtenden sozialen Jahres. Nach 60 Minuten berichteten die mitberatenden Ausschüsse ihre Stellungnahmen an den federführenden Innenausschuss.
Die Beschlussempfehlung des Innenausschusses sah vor, den Gesetzesvorschlag mit Änderungen anzunehmen: Der soziale Dienst sollte der Unterstützung in allen beruflichen Bereichen dienen, die Dauer auf ein Jahr festgelegt werden und Ausgestaltung, soziale Absicherung, Vergütung sowie Ausnahmen weiterhin durch ein Bundesgesetz geregelt werden. In der anschließenden zweiten Fraktionssitzung wurden diese Ergebnisse ausgewertet, Änderungsanträge formuliert und letzte Verhandlungen mit anderen Fraktionen geführt, bevor die Anträge offiziell eingereicht wurden.
Nach der Mittagspause folgte die zweite Plenardebatte, in der die Beschlussempfehlung des federführenden Ausschusses beraten wurde. In eindrucksvollen Reden setzten sich die Fraktionen argumentativ mit dem Gesetzentwurf auseinander. Abgeordneter Kraner (BSV) hielt eine tragende Regierungsrede und verwies auf den Pflegenotstand sowie eine „Katastrophe von nationaler Bedeutung“, die nur durch mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verantwortung zu bewältigen sei. Ein verpflichtendes soziales Jahr sei keine Einschränkung der Freiheit, sondern eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und könne Brücken zwischen sozialen Schichten, Kulturen und Wohnorten bauen. Abgeordnete Aktas (SFP) unterstützte die Idee eines sozialen Pflichtdienstes grundsätzlich, forderte jedoch deutliche Änderungen: eine Ausweitung auf soziale, kulturelle und politische Bereiche sowie mehr Flexibilität durch eine Wahlmöglichkeit zwischen sechs und zwölf Monaten, um unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht zu werden.
Auch die Opposition setzte wichtige Akzente: Der Abgeordnete Mundanjohl (PnV) hielt eine besonders leidenschaftliche Rede, in der er den akuten Fachkräftemangel, den schwindenden Gemeinsinn und die fehlende Berufsorientierung junger Menschen thematisierte und ein Pflichtjahr als Ausdruck von Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Staat verteidigte. Abgeordnete C. Pittini (BNG) stellte eine Zustimmung unter Bedingungen in Aussicht und forderte eine klare Orientierung an den Strukturen des bisherigen Freiwilligen Sozialen Jahres, eine breite Einsatzvielfalt sowie die gesetzliche Festschreibung, dass ein verpflichtendes Jahr keine dauerhafte Kompensation struktureller Defizite im Sozial- und Pflegebereich darstellen dürfe. Abgeordnete M. Biela (LSB) positionierte sich deutlich ablehnend und kritisierte insbesondere die Gefahr, soziale Probleme durch verpflichtete junge Menschen zu lösen statt durch strukturelle Investitionen.
Im Verlauf der Debatte wurde schließlich ein zentraler Änderungsantrag angenommen, der den sozialen Dienst auch auf soziale, kulturelle und politische Bereiche ausweitete und eine Mindestdauer von einem halben Jahr festlegte, während gleichzeitig festgeschrieben blieb, dass der Dienst nicht zur dauerhaften Ersetzung regulärer Beschäftigung dienen darf. In der dritten Plenarsitzung kam es zur Schlussabstimmung: Die erforderliche Zweidrittelmehrheit wurde erreicht, wobei die Fraktionen BSV, SFP und PnV geschlossen zustimmten.
Eine besondere Rolle übernahm die Pressegruppe mit den Redakteuren Kraner, Aleo Estevez, Scherrenbacher und Schmid. Sie berichteten über die Plenardebatten, führten Interviews mit Abgeordneten und kommentierten die politischen Entwicklungen – inklusive eines augenzwinkernd zugespitzten „Skandalblatts“, das über hitzige Wortgefechte zwischen Abgeordneten der PnV und der LSB berichtete und damit zusätzlichen öffentlichen Druck erzeugte.
Was bleibt, ist ein eindrucksvoller Einblick in die Funktionsweise parlamentarischer Demokratie: Die Schülerinnen und Schüler erlebten hautnah, wie komplex Meinungsbildung, Verhandlungen, Kompromisse und Mehrheitsfindung im Bundestag tatsächlich sind. Durch das eigenständige Handeln in Fraktionen, Ausschüssen und Plenardebatten wurde Politik nicht nur verständlicher, sondern auch greifbar und spannend. Das Planspiel zeigt, dass demokratische Entscheidungsprozesse Zeit, Argumente und Kompromissbereitschaft erfordern – und dass politische Urteile selten eindeutig, sondern meist das Ergebnis intensiver Aushandlung sind.
Ein herzlicher Dank gilt Frau Bonnet, Frau Katz und Frau Teubner für die Organisation, Durchführung und Betreuung dieses aufwendigen Bundestagsplanspiels.


































